29.05.2010
Darmstädter bewundert vom Challenge Camerounais..!!
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Tausende von Kamerunern folgten der Einladung der Vereinigung kamerunischer Studenten in Darmstadt am letzten Samstag. Auch der Nachwuchs musste bei der „Challenge Camerounais“ im Bürgerpark beschäftigt werden.
Eine junge Frau, die aus Richtung der Kranichsteiner Straße durch den Bürgerpark geradelt kommt und an der neuen Skateanlage am Berufsschulzentrum stoppt, drückt es treffend so aus: ,,Ich bin gerade durch Afrika gefahren!" Der Bürgerpark befindet sich an diesem Samstagnachmittag im Ausnahmezustand. Man könnte sagen, er ist zum Afrika-Park geworden. Mehrere tausend Besucher afrikanischer Herkunft bevölkern das Areal zwischen und auf den Sportplätzen. Aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland sind sie nach Darmstadt gekommen, um das Wochenende hindurch die ,,Challenge Camerounais" zu feiern. Es ist das große Jahresfestival kamerunischer Studentenvereine in Deutschland, und sie zeigen im Bürgerpark bei sonnigstem Pfingstwetter eine beeindruckende Präsenz.

Das Auge weiß kaum, wo es zuerst hinschauen soll: Auf mehreren Rasenplätzen laufen parallel Fußballspiele, denn das Jahrestreffen ist gleichzeitig ein Sportturnier. Auf die große Wiese dazwischen pilgern die Leute zu einem Open-Air-Festival. Dort schickt eine afrikanische Band unter dem Banner der "Afrogrooves" gut gelaunte Klänge von der Bühne. Weiter hinten brutzeln afrikanische Spezialitäten auf einer langen Reihe Grillstationen. Ganze Fische und Fleischspieße verbreiten dort Gerüche, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.
Fußball spielt in Kamerun traditionell eine große Rolle und so durfte auch ein Fußball turnier nicht fehlen.

Auf einer Bierbank dort machen Jessika Siakam und ihr zweijähriges Töchterlein gerade ein Päuschen. Aus Lampertheim sind sie gekommen und haben schon eine Runde gedreht. Ihr kamerunischer Mann schaut sich gerade ein Fußballspiel der Mannheimer an. "Und wir sitzen gemütlich in der Sonne und genießen", sagt die 28 Jahre alte Mutter. Das dritte Mal schon sind sie dabei. "Spaß haben, sich wiedersehen, Leute kennen lernen, einfach zusammen sein", darum gehe es hier. Den drei Studenten in Fußballtrikots indes, die gerade einen der Bürgerpark-Pfade entlangkommen, ist das Ganze noch ein Rätsel. "Das ist ja Wahnsinn", befindet einer von ihnen mit staunendem Blick über das bunte Treiben. Eigentlich wollten wir im Bürgerpark kicken gehen", stellt sein Kumpel fest. Aber wohin nun? "Schwierig", befindet sein Freund und erblickt das freie Basketball-Feld. "Notfalls kicken wir da hinten." Immer mehr Besucher laufen ein. Manche ziehen Rollkoffer hinter sich her oder suchen auf einem der aushängenden Pläne Orientierung. Einige bleiben erstmal in dem großen Zelt hängen, wo ein Wirtschafts- und Sozialforum läuft. Dort können die Zuhörer unter anderem Wissenswertes zur Unternehmensgründung erfahren. Ein Sprecher auf dem Podium redet gerade über das kapitalistische System - auf Französisch, wie die meisten hier. Einmal sagt er "Allemands" (Deutsche) und direkt danach "enthusiasme". Das heißt Begeisterung. "Ursprünglich ging es nur um Sport, die Kameruner sind sehr leidenschaftliche Fußballfans", erläutert Susan Aweh vom Marketingteam der Challenge, die vor 19 Jahren erstmals von hiesigen kamerunischen Studenten als größte Gruppe Bildungsmigranten aus Sahara-Afrika veranstaltet worden sei. Mittlerweile erwarte man vier- bis fünftausend Besucher an so einem Wochenende. Der ausrichtende Verein muss sich mit viel Überzeugungsarbeit darum bemühen, den Zuschlag zu erhalten.

"Gott sei dank habe ich meinen Job nicht verloren", witzelt Luc Tchakounang von der Vereinigung kamerunischer Studenten in Darmstadt, die das Festival an den Woog geholt haben. Ein Jahr Arbeit sei das gewesen, sechzig Stunden die Woche. "Wir wollen beweisen, wie gut und freundlich Darmstadt ist", sagt er. "Und den Darmstädtern etwas von unserer Kultur zeigen." Allerdings sieht es so aus, dass sich Einheimische nur zaghaft darunter mischen. Und vermutlich werden die Teilnehmer auch bei der Gala im Darmstadtium am Sonntagabend weitgehend unter sich bleiben.
Am Anfang habe ihnen in hier kaum einer geglaubt, wie viele Besucher erwartet werden. "Wie bitte?", habe es da etwa geheißen bei der Stadt, der man für die Unterstützung sehr dankbar ist. Zufrieden blickt sich der 28 Jahre alte Ingenieur und Wahl-Darmstädter nun auf dem Festival um und ist froh, dass der Großteil geschafft ist. "So was mache ich nie wieder", stellt er fest, nicht ohne zu lächeln. "Aber wenn ich sehe, wie fröhlich die Leute sind, freue ich mich und weiß, wofür ich so viel gearbeitet habe."
Quelle: http://www.echo-online.de
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